Aus der Sitzung des AUT vom 10.06.2026
Rezertifizierung des Labels „StadtGrün naturnah“?
Im Ausschuss für Umwelt und Technik (AUT) wurde vorberaten, ob die Gemeinde Waldbronn die Rezertifizierung des Labels „StadtGrün naturnah“ anstreben soll. Das Zertifikat hatte die Gemeinde bereits im Jahr 2023 erhalten und damit ihr Engagement für eine nachhaltige, biodiversitätsfördernde und zukunftsorientierte Gestaltung öffentlicher Grünflächen unter Beweis gestellt.
Das Label zeichnet Kommunen aus, die ihre Grünanlagen konsequent naturnah bewirtschaften und damit einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt leisten. Zu den Anforderungen gehören unter anderem die Förderung heimischer Pflanzenarten, die Schaffung von Lebensräumen für Insekten und andere Tiere, eine reduzierte Verwendung von Pestiziden sowie eine nachhaltige Pflege öffentlicher Flächen. Darüber hinaus sind regelmäßige Dokumentationen, Nachweise und Evaluierungen erforderlich, um die Einhaltung der Kriterien dauerhaft sicherzustellen.
Im Rahmen der Beratung stellte Samuel Schöpfle von der Gemeindegärtnerei die zahlreichen Fortschritte vor, die Waldbronn in den vergangenen Jahren, teilweise unabhängig von einer Zertifizierung, erzielt hat. Als sichtbare Beispiele nannte er die ansprechend gestaltete neue Ortsmitte in Reichenbach, den Partnerschaftskreisel in Busenbach sowie zahlreiche weitere Maßnahmen zur Förderung von Artenvielfalt und Insektenschutz im gesamten Gemeindegebiet. Blühflächen, naturnahe Bepflanzungen und ökologisch aufgewertete Grünanlagen seien inzwischen fester Bestandteil der kommunalen Gestaltungspolitik und werden von vielen Bürgerinnen und Bürgern positiv wahrgenommen.
Besonders hervorzuheben sind darüber hinaus die zahlreichen ehrenamtlichen Initiativen, die mit großem Engagement zur ökologischen Aufwertung Waldbronns beitragen. So sind der liebevoll gepflegte Kräutergarten im Kurpark sowie die attraktiven Staudenbeete vor dem Rathaus Beispiele dafür, wie Bürgerinnen und Bürger gemeinsam mit der Gemeinde Verantwortung für ein lebenswertes Ortsbild und mehr Biodiversität übernehmen. Diese Projekte sind nicht aufgrund einer Zertifizierung entstanden, sondern aus eigener Überzeugung und aus dem Wunsch heraus, die Gemeinde aktiv mitzugestalten. Sie zeigen eindrucksvoll, dass Naturschutz und Artenförderung in Waldbronn längst in der Bürgerschaft verankert sind.
Gleichzeitig wies Schöpfle darauf hin, dass mit der Zertifizierung ein erheblicher administrativer und personeller Mehraufwand verbunden sei. Die naturnahe Pflege und ökologische Weiterentwicklung der kommunalen Flächen werde von der Gemeinde bereits heute mit Überzeugung verfolgt. Entscheidend sei daher die Frage, ob die zusätzlichen Ressourcen künftig weiterhin den Mehraufwand für die Zertifizierung investiert werden sollten oder ob diese Mittel unmittelbar den konkreten Maßnahmen vor Ort zugutekommen könnten.
In der Diskussion wurde deutlich, dass der Schutz von Natur und Umwelt für Waldbronn außer Frage steht. Die Gemeinde hat in den vergangenen Jahren gezeigt, dass sie Verantwortung für Biodiversität, Klimaanpassung und eine lebenswerte Ortsgestaltung übernimmt. Maßstab müsse dabei jedoch stets der tatsächliche Nutzen für Natur und Bürgerschaft sein. Umweltschutz ist wichtig – ein Label sollte jedoch nicht zum Selbstzweck werden. Entscheidend sind die sichtbaren und nachhaltigen Verbesserungen im Ortsbild sowie die ökologische Qualität der Maßnahmen, nicht allein die Auszeichnung selbst.
Das Zertifikat von 2023 war ein wichtiger Impuls. Eine Rezertifizierung sehen wir jedoch aufgrund des damit verbundenen Mehraufwands kritisch. Auch weniger anspruchsvolle Zertifizierungen allein um des Zertifikats willen halten nach unserer Auffassung einer Kosten-Nutzen-Abwägung derzeit nicht stand.
Ihre Fraktion
Kurt Bechtel – Volker Becker – Désirée Fuchs