Der Leserbrief „Keine Verantwortung übernommen“ aus den BNN vom 29. November 2018, geschrieben von Katja Kornetzky, ist ein Musterbeispiel dafür, was passiert, wenn man es mit den Fakten nicht so genau nimmt (oder nehmen will). Sie schreibt „Weil ich den Beschlussvorschlag gelesen hatte, war es für mich kein Problem, der Argumentation zu folgen“. Dabei unterschlägt sie, daß in der Begründung des Beschlussvorschlags zu lesen war: „Die Organisation und der Betrieb der Kinder- und Jugendbücherei müssten aus Sicht der Verwaltung komplett in Trägerschaft eines Förderkreises, einer Bürgerstiftung o.a. liegen [...]“. Wohlgemerkt - eine Sitzungsvorlage, die mit dem Namen des Bürgermeisters unterzeichnet war. Der Bürgermeister forderte allerdings in der Sitzung plötzlich genau das Gegenteil: Den Betrieb der Bücherei in kommunaler Hand - und schob seinem Hauptamtsleiter die Verantwortung für die Tischvorlage zu. Ganz abgesehen davon, daß dies eine Situation ist, die ich als Gemeinderat so noch nie erlebt habe, ist völlig klar, daß eine sinnvolle Diskussion und Entscheidung in dem Moment nicht mehr möglich war. Offensichtlich war weder mit dem Förderverein irgendwas Substantielles im Vorfeld besprochen, noch war sich die Verwaltung intern einig, was überhaupt das Ziel der Gemeinderatsentscheidung sein sollte. Eine Vertagung war damit unumgänglich. Im übrigen hat sich ausnahmslos jede Fraktion für den Erhalt einer Jugendbibliothek ausgesprochen - der Knackpunkt ist das „wie“.
Der Rest von Frau Kornetzkys (vermutlich von der SPD lancierten) Einlassungen ist im Wesentlichen plumpe Wahlkampfunterstützung für eben jene örtliche Partei - geschenkt, wenn auch sehr aussagekräftig, was den emotionalen Zustand der Ratskollegen angeht. Da wird in Sachen Bücherei versucht, durch Mailings im Namen des Fördervereins möglichst viele Menschen gegen den restlichen Gemeinderat aufzuwiegeln und in anderen Sachen wird Ratskollegen lautstark ins Wort gefallen. Politischer Disput in allen Ehren - ein bißchen Mäßigung und Konzentration auf die Sache würde manchem aus der SPD-Kurve gut zu Gesicht stehen.

Ein Kommentar gibt lediglich die persönliche Meinung des Autors wieder - er stellt keine offizielle Äußerung der Freien Wähler Waldbronn e.V. dar.