Parkraumkonzepte: Grundsätzlich richtig – aber Kommunikation muss besser werden
Das Parkraumkonzept ist aus unserer Sicht grundsätzlich richtig und wir unterstützen die Zielrichtung. Es geht darum, den öffentlichen Raum neu zu ordnen und dabei Fußgehende, Radverkehr, Menschen mit Kinderwagen und Rollatoren, Anwohner, Gewerbe, ÖPNV, Versorgungsbetriebe und den ruhenden Verkehr miteinander in Einklang zu bringen.
Was aus unserer Sicht allerdings erheblich verbessert werden muss, ist die Kommunikation – sowohl gegenüber der Bevölkerung als auch gegenüber dem Gemeinderat.
Wie wichtig eine frühzeitige und nachvollziehbare Information ist, zeigt beispielhaft die Sperrung der Reichenbacher Straße. Auch der Gemeinderat wurde von der konkreten Umsetzung überrascht. Bis heute ist für uns nicht nachvollziehbar erläutert worden, warum die Straße gerade in dieser Richtung gesperrt wurde und nicht in der anderen. Es geht darum, Entscheidungen nachvollziehbar zu kommunizieren und zu begründen.
Das Parkraumkonzept greift unmittelbar in den Alltag vieler Menschen ein. Deshalb reicht es nicht, irgendwann einen Informationszettel in den Briefkasten zu werfen. Veränderungen müssen angekündigt, erklärt und begleitet werden.
In der freien Wirtschaft würde man von Change-Management sprechen: Wer Veränderungen durchsetzt, muss die Betroffenen mitnehmen. Die Menschen müssen wissen, was sich verändert, warum es sich verändert und welche Möglichkeiten ihnen bleiben.
Gerade bei einem Parkraumkonzept hätte es deshalb mehr frühzeitige Information und Dialog gebraucht. Wenn beispielsweise in Etzenrot Stellplatzsituationen verändert werden und Anwohner dadurch möglicherweise ihre Garagen wieder intensiver nutzen müssen, dann sollte dies nicht erst mit der Umsetzung zum Thema werden.
Wir sehen allerdings auch die andere Seite.
Beim Leitbildprozess Waldbronn 2035+ wurde von Bürgerinnen und Bürgern ausdrücklich mehr Raum für Fußgänger und Radfahrer und mehr Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum gefordert. Jetzt wird dieser Anspruch konkret umgesetzt – und trifft auf den Wunsch nach möglichst viel Parkraum vor der eigenen Haustür.
Beides muss man ehrlich miteinander diskutieren.
Wer ein Auto besitzt, hat keinen Anspruch darauf, dass die Allgemeinheit dauerhaft einen Stellplatz direkt vor der eigenen Haustür zur Verfügung stellt. Gleichzeitig darf die Gemeinde nicht ignorieren, dass Veränderungen beim Parkraum für die Betroffenen zunächst aber wie ein Verlust wirken können. Genau deshalb braucht es Verständnis auf beiden Seiten.
Das bedeutet auch: Ein grundsätzlich richtiges Konzept darf nicht dazu führen, dass jede einzelne Situation starr nach einem Schema behandelt wird.
Für die Gewerbetreibenden sollte außerdem geprüft werden, ob an geeigneten Stellen Kurzzeitparkplätze geschaffen werden können. Wer den örtlichen Handel und die Dienstleistungen stärken möchte, muss auch deren Erreichbarkeit berücksichtigen.
Unser Appell richtet sich deshalb an beide Seiten: Die Verwaltung muss früher, transparenter und nachvollziehbarer kommunizieren. Entscheidungen müssen erklärt werden, bevor sie umgesetzt werden.
Gleichzeitig wünschen wir uns von den Bürgerinnen und Bürgern mehr Bereitschaft zum Dialog. Wer eine Petition unterschreibt, sollte nicht nur innerhalb der eigenen Gruppe diskutieren und engagieren. Auch andere Perspektiven gehören zur Diskussion. „Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit des Anderen beginnt.“
Unser Fazit ist deshalb klar: Das Parkraumkonzept sollte weiterverfolgt werden. Aber seine Umsetzung braucht mehr Kommunikation, mehr Dialog und an den richtigen Stellen mehr Augenmaß.
Denn am Ende brauchen wir in Waldbronn beides: eine Verwaltung, die die Menschen besser mitnimmt, und Bürgerinnen und Bürger, die bereit sind, über den eigenen Parkplatz hinauszuschauen.
Ihre Fraktion
Kurt Bechtel – Volker Becker – Désirée Fuchs