18. Juli 2026

Aus der Sitzung des AUT vom 08.07.2026

Im Ausschuss für Umwelt und Technik (AUT) stellte die Firma GP JOULE ein Konzept für den möglichen Aufbau eines kommunalen Wärmenetzes in Reichenbach vor

Aus der Sitzung des AUT vom 08.07.2026

Aufbau eines kommunalen Wärmenetzes in Reichenbach: Chancen und offene Fragen

Im Ausschuss für Umwelt und Technik (AUT) stellte die Firma GP JOULE ein Konzept für den möglichen Aufbau eines kommunalen Wärmenetzes in Reichenbach vor. Ziel eines solchen Netzes ist die zentrale Versorgung von Gebäuden mit Wärme über ein Leitungsnetz. Reichenbach wurde hierfür zunächst in vier Versorgungsbereiche eingeteilt. GP JOULE verwies auf Erfahrungen aus 86 Kommunen mit rund 4.500 angeschlossenen Kundinnen und Kunden. Als Referenzprojekte wurden die Gemeinden Buttenwiesen und Mertingen genannt.

Deutlich wurde jedoch auch, dass ein Wärmenetz umfangreiche Infrastruktur benötigt. Neben den Leitungen sind Flächen für Großwärmepumpen, Wärmepufferspeicher und weitere technische Anlagen erforderlich. Solche Flächen stehen der Gemeinde nur begrenzt zur Verfügung.

Teil der Diskussion waren die Kosten für die Anschlussnehmer. Auf Nachfrage von Gemeinderätin Désirée Fuchs verwies das Unternehmen auf die Preise seiner Referenzprojekte. Dort liegen die einmaligen Hausanschlusskosten zwischen knapp 6.000 und 15.000 Euro. Hinzu kommen monatliche Grundpreise zwischen 33,84 und 62,99 Euro sowie Arbeitspreise von 12,3 bis 14,48 Cent je Kilowattstunde. Ob ein Anschluss wirtschaftlich ist, müsse daher im Einzelfall geprüft werden.

Technisch setzt ein Wärmenetz eine wassergeführte Zentralheizung voraus. Viele ältere Gebäude verfügen jedoch noch über Nachtspeicheröfen oder Gasetagenheizungen. Jürgen Hemberger (Gemeinde Waldbronn) wies zudem darauf hin, dass moderne Wärmepumpen im Sommer auch zur Gebäudekühlung genutzt werden können – ein Vorteil, den ein klassisches Wärmenetz nicht bietet. Deshalb sei beispielsweise bei den geplanten Kindergärten derzeit kein Anschluss vorgesehen.

GP JOULE ist derzeit das einzige Unternehmen, das Interesse am Aufbau eines Wärmenetzes in Waldbronn signalisiert hat. Andere mögliche Betreiber wie Netze BW haben bislang abgewunken. Damit stellte sich auch die Frage nach der langfristigen Versorgungssicherheit. Zwar soll eine Betreibergesellschaft die Gemeinde im Insolvenzfall absichern, dennoch blieb offen, wer ein begonnenes Projekt übernehmen würde, wenn sich kein weiterer Anbieter findet.

Ebenso fehlte in der Diskussion die Preisentwicklung bei Fernwärme. Da Kunden ihren Versorger in der Regel nicht wechseln können, ergaben sich in anderen Kommunen aktuelle Preissteigerungen und rechtliche Auseinandersetzungen. Fuchs verwies zudem auf die Erfahrungen mit dem stockenden Glasfaserausbau durch die Deutsche Glasfaser, bei dem Termine abgesagt wurden. Solche Erfahrungen machten eine sorgfältige Abwägung der Risiken erforderlich.

Grundsätzlich bestand Einigkeit darüber, dass kommunale Wärmenetze einen wichtigen Beitrag zur Energiewende leisten können. Gleichzeitig sehen wir noch noch Klärungsbedarf bei wirtschaftlichen, technischen und organisatorischen Fragen. Zudem wurde angeregt, zunächst Bereiche mit dichter Bebauung und Mehrfamilienhäusern zu untersuchen, da Wärmenetze dort in der Regel wirtschaftlicher betrieben werden können.

Bei der abschließenden Abstimmung enthielt sich Fuchs der Stimme. Sie begründet dies damit, dass sie das Projekt grundsätzlich unterstütze, die bestehenden Risiken jedoch noch nicht ausreichend bewertet sehe.

Ihre Fraktion

Kurt Bechtel – Volker Becker – Désirée Fuchs